Eine Reise zwischen Natur und Kultur

Bericht über eine Reise des Geschichtsvereins in den Harz, einer Region mit natürlicher Schönheit und reicher Geschichte. (7. – 10.07.2026)

In Wernigerode

Fahrt auf den Brocken

Nach Norden, in den Harz führte die diesjährige Reise des Geschichtsvereins Bietigheim-Bissingen.

In Wernigerode, unserem Standort, war die Schaufront des berühmten Rathauses wegen Restaurierungsarbeiten leider verhüllt, dafür entschädigte reichlich der Rundgang durch ein Viertel mit hervorragend restaurierten Fachwerkhäusern. Die Häuser in diesem Viertel sind bis zu 400 Jahre alt und beeindrucken durch ihre sehr schönen farblichen Fassungen. Die Stadtführerin zeigte uns auch die derzeit viel diskutierten Brandmauern in ihrer ursprünglichen Funktion. Nach einem großen Stadtbrand waren sie Pflicht.

Die Fahrt mit dem Dampfzug auf den Brocken, Norddeutschlands höchstem Berg, führte durch Flächen mit erschreckenden kahlen Baumgerippen, aber auch durch Gebiete, in denen neben dem Totholz neues Grün heranwuchs. Auf dem Gipfelplateau genossen wir eine hervorragende Fernsicht. Goslars Stadtbild beeindruckt durch viele interessante Gebäude aus der mittelalterlichen Glanzzeit der Stadt und durch die mächtige Kaiserpfalz mit ihren großen Dreierarkaden. Hier ist das Herz des Salierkaisers Heinrich III. beigesetzt, für den seine Lieblingspfalz Goslar im 11. Jahrhundert ein Zentrum der Reichsverwaltung war. Allerdings wurden die weitgehend verfallenen Gebäude der Pfalz erst im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut. Das wilhelminische Kaiserreich wollte damit an die vermeintliche mittelalterliche Reichsherrlichkeit anknüpfen.

Auf die Zeit der Ottonen im 10. Jahrhundert geht die Gründung der Stiftskirche Gernrode zurück - ein beeindruckend mächtiger romanischer Bau, der eine tiefe innere Ruhe ausstrahlt. In einem Seitenschiff befindet sich hier etwas ganz Besonderes - ein "Heiliges Grab", eine Nachbildung des Grabes Christi, die älteste in Deutschland. Sie ist reich verziert mit schönen ornamentalen Reliefs und Skulpturen.

Nach Quedlinburg, den Ort, an dem Heinrich I. 919 angeblich von seiner Wahl zum König erfahren hat, führte die weitere Reise. Den mühsamen Anstieg auf den Schlossberg lohnte der Besuch der Stiftskirche, deren Inneres als einer der schönsten und edelsten hochromanischen Kirchenräume Deutschlands gilt. Sie war das Gotteshaus eines reichsunmittelbaren Stiftes für adlige Damen, das über Jahrhunderte nur von Frauen, den Äbtissinnen, regiert wurde. Während der Nazizeit wurde die Kirche auf Veranlassung Himmlers als SS-Weihestätte missbraucht. Der hervorragende Kirchenführer konnte uns auch den kostbaren Domschatz zeigen, dessen Prunkstücke, darunter ein Evangeliar, von einem US-Soldaten 1945 geraubt wurden und erst 1993 zurückerworben werden konnten.

Einen weiteren großen Domschatz besichtigten wir zum Abschluss der Reise im Kreuzgang des Domes in Halberstadt. Hier wird eine reiche Sammlung mittelalterlicher Textilien gezeigt; besondere Prunkstücke sind zwei Bildteppiche mit Darstellungen der Apostel und der Geschichte Abrahams. Einzigartig ist auch eine silberne Schale mit einer Kreuzigungsdarstellung, eine so genannte Weihbrotschale, die aus Konstantinopel stammt und auf dem 4. Kreuzzug geraubt wurde.

Mit dem Blick auf die Halberstädter Domtürme endete eine Reise, die viele neue Eindrücke von Städten brachte, die einmal eine bedeutende Rolle in der deutschen Geschichte spielten.