Programm

Liebe Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins,

wir freuen uns, Ihnen auch 2020 wieder ein breitgefächertes Angebot mit außergewöhnlichen Exkursionen und interessanten Vorträgen vorstellen zu dürfen.

Unsere Vortragsreihe beginnt mit einem Vortrag über den wenig bekannten württembergischen Grafen Eberhard IV. mit Dr. Christoph Florian, dem neuen Leiter des Stadtarchivs. Wolfram Wehnert beendet unsere Reihe im Dezember mit einem Vortrag über den westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück.

Das Spektrum unserer Angebote reicht in diesem Jahr vom Kartoffelkäfer bis zum Fußball. Margot Lyautey aus Paris referiert über den Kampf gegen den Kartoffelkäfer im besetzten Frankreich und Prof. Dr. Wolfram Pyta berichtet über den Beitrag des Fußballs zur Stiftung von Gemeinschaften.

Unsere eintägige Jahresexkursion wird von Gottfried Bauer geleitet und führt uns nach Remchingen und Neuenbürg. Ziel der mehrtägigen Exkursion sind die Städte Jena, Weimar und Dessau und steht unter dem Motto „101 Jahre Bauhaus”.

Wir laden Sie sehr herzlich zu unseren Veranstaltungen ein.

Ute Bartelmäs
1. Vorsitzende


Kommende Termine

 Do • 27.2.2020 • 19 Uhr • Kronenzentrum

Jahreshauptversammlung

Tagesordnung:
1. Begrüßung • 2. Bericht der 1. Vorsitzenden • 3. Kassenbericht • 4. Bericht der Kassenprüfer • 5. Aussprache • 6. Entlastung • 7. Ehrungen • 8. Verschiedenes

Anträge zur Tagesordnung müssen mindestens 5 Tage vor der Versammlung bei der 1. Vorsitzenden eingereicht werden.

 Do • 27.2.2020 • 20 Uhr • Kronenzentrum

Öffentlicher Vortrag:
Rangerhöhung und Ausstattung – Schloss Ludwigsburg unter Herzog bzw. König Friedrich von Württemberg

Vor 200 Jahren diente Schloss Ludwigsburg als Sommerresidenz von Friedrich von Württemberg, der 1797 als Herzog an die Macht kam, 1803 zum Kurfürsten und 1806 zum König erhoben wurde.

Zusammen mit seiner Frau Charlotte Mathilde und seinem Hofstaat verbrachte er das Sommerhalbjahr im Residenzschloss und den nahegelegenen Schlössern Favorite und Monrepos. In dieser Zeit entstanden die klassizistischen Innenräume und der Landschaftsgarten. Friedrich empfing Staatsgäste wie z.B. Napoleon Bonaparte oder Zar Alexander I. Dabei spielte das höfische Zeremoniell eine bedeutende Rolle.

Frau Dr. Raible erläutert die Innenausstattung der Ludwigsburger Staats- und Privatappartements und die Nutzung bis zum Tod Friedrichs im Jahr 1816. Da sich die nachfolgenden württembergischen Könige selten in Ludwigsburg aufhielten und es kaum Kriegsschäden gab, sind die Räumlichkeiten nahezu authentisch erhalten.

Dr. Catharina Raible, Leiterin Stadtmuseum Hornmoldhaus

 Do • 5.3.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Gemeinsam in den Kampf gegen den Kartoffelkäfer.

Die Modernisierung der französischen Landwirtschaft

In ihrem Dissertationsprojekt „Modernisierung der französischen Landwirtschaft während der Besatzungszeit 1940 -1944” möchte Margot Lyautey herausarbeiten, welche Rolle dabei die Zusammenarbeit von deutschen und französischen Agraringenieuren spielte.

Bei ihrer Analyse verfolgt sie einen deutsch-französischen Ansatz und vergleicht Quellen in beiden Sprachen miteinander, um zu vermeiden, dass Fehler, die in der nationalen Geschichtsschreibung fälschlich als Tatsachen verankert sind, übernommen werden. In diesem Zusammenhang möchte sie auch die weit verbreitete Darstellung des Vichy-Regimes als ein traditionalistisches Regime in Frage stellen und zeigen, dass unter seiner Herrschaftszeit auch wegweisende Neuerungen auf den Weg gebracht wurden, sowohl von den Besatzern als auch vom französischen Staat selbst. Besonders hervorgehoben wird der Pflanzenschutz in Deutschland und in Frankreich beim Kampf gegen den Kartoffelkäfer.

Margot Lyautey, Paris

Nach einem Studium der Naturwissenschaften in Frankreich hat Frau Lyautey Wissenschaftsgeschichte bei EHESS (École des Hautes Études en Sciences Sociales) in Paris studiert. Ihre Masterarbeit schrieb sie über die deutsche Landbewirtschaftungsgesellschaft Ostland im besetzten Frankreich und in Polen während des zweiten Weltkrieges. Danach hat sie sich für ein Promotionsprojekt über die „Modernisierung(en) der französischen Landwirtschaft unter der deutschen Besatzung” entschieden. Sie ist jetzt im dritten Jahr der Promotion und arbeitet unter der Betreuung von Johannes Großmann (Universität Tübingen) und Christophe Bonneuil (Cnrs/EHESS). Sie lehrt auch Wissenschaftsgeschichte an der Ecole polytechnique.

 Sa • 7.3.2020 • 10 Uhr • Stadtmuseum Hornmoldhaus

Führung durch die Ausstellung:
Die lustige Welt der Teekannen.

Kurioses und Wissenswertes rund um das Aufgussgetränk

Dr. Catharina Raible

 So • 22.3.2020 • 17 Uhr • Stadtkirche.

Der Pastor bleibt Pastor. Dietrich Bonhoeffer zum Gedächtnis

Theateraufführung in der Stadtkirche mit „Dein Theater”

In Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Bietigheim

 So • 5.4.2020 • 11 – 17 Uhr.

Der Museumsbunker in der Brandhalde und der Luftschutzstollen unter der Laurentiuskirche sind geöffnet

 Do • 23.4.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon,

Heimat, Nation und Europa.

Der Beitrag des Fußballs zur Stiftung von Gemeinschaften

Prof. Dr. Wolfram Pyta

 Do • 7.5.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Angewandte Avantgarde - Das Bauhaus

Markus Golser

 Sa • 9.5.2020 • 12:30 Uhr • Bf Bietigheim.

Stuttgart wie es nicht jeder kennt: Stuttgart-Ost

Gottfried Bauer

Anmeldung: kassier@geschichtsverein-bietigheim-bissingen.de

 So • 17.5.2020 • 14.30 Uhr • Treffpunkt am nördlichen Ende der Grünwiesenstraße

Führung durch die denkmalgeschützte Kammgarnspinnerei

Erwin Rudolph, Wolfram Wehnert u.a.

 Dienstag – Freitag • 2. – 5.6.2020

Das Bauhaus – Jena - Weimar - Dessau - Buchenwald.

Eine Entdeckungsreise zu den Ursprüngen und Wirkungsstätten der Moderne.

(Ausführliches Programm und Reisebeschreibung)

Reiner Theurer

Anmeldung: kassier@geschichtsverein-bietigheim-bissingen.de

 Mi • 10.6.2020 • 19:30 Uhr • Gasthaus Bären.

Conrad Bareiss, Großaktionär der Kammgarnspinnerei Bietigheim und seine Verbindungen zum Widerstand gegen Hitler

Wolfram Wehnert

 So • 5.7.2020 • 11 – 17 Uhr.

Der Museumsbunker in der Brandhalde und der Luftschutzstollen unter der Laurentiuskirche sind geöffnet

 Sa • 11.7.2020 • 8 Uhr • ZOB Bietigheim.

Jahresexkursion nach Remchingen und Neuenbürg

Gottfried Bauer

Anmeldung: kassier@geschichtsverein-bietigheim-bissingen.de

 So • 6.9.2020 • 11 – 17 Uhr.

Der Museumsbunker in der Brandhalde und der Luftschutzstollen unter der Laurentiuskirche sind geöffnet

 Do • 24.9.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Von der Laufmaschine bis zum Lastenrad.

Die unbegrenzte Zukunftsperspektive einer genialen Erfindung

Martin Hauge

In Kooperation mit dem Stadtmuseum Hornmoldhaus

 Sa • 10.10.2020 • 12:45 Uhr • Bf Bietigheim

Besuch beim Nachbarn:
Das Lauffener Städtle: „Burgen, Schlösser und Gefängnismauern”

Reiner Theurer

Anmeldung: kassier@geschichtsverein-bietigheim-bissingen.de

 Do • 29.10.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Gott ist mit uns und schützt uns.

Schwäbische Auswanderer im Kaukasus

Dr. Mathias Beer

 Do • 5.11.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Mehr als eine Front.

Ideologie und Propaganda im Spanischen Bürgerkrieg 1936 ‐ 1939

Dr. Carsten Kretschmann

 Mi • 11.11.2020 • 15 Uhr • Bf Bietigheim.

Ausstellungbesuch:
Margarethe von Savoyen: Die Tochter des Papstes – La Figlia del Papa – La Fille du Pape

Prof. Dr. Rückert Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Anmeldung: kassier@geschichtsverein-bietigheim-bissingen.de

 Mi • 2.12.2020 • 19:30 Uhr • Gasthaus Bären

Der westfälische Friede von Münster und Osnabrück 1648

Wolfram Wehnert


Vergangene Termine

 Do • 9.1.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Eberhard IV. (1417-1419) – Facetten eines wenig bekannten Grafen des spätmittelalterlichen Württembergs

Der württembergische Graf Eberhard IV., welcher nach nur zweijähriger Regierung im Jahr 1419 im Alter von etwa 30 Jahren starb, hat kaum Spuren im historischen Gedächtnis Württembergs hinterlassen. Seine kurze Wirkungszeit verblasste vor dem Hintergrund der langen Regierung seines Vaters Eberhard III., genannt der Milde (1392-1417), dem er unmittelbar nachgefolgt war. Allenfalls wird er in seiner Rolle als Ehemann Henriettes von Mömpelgard wahrgenommen.

Aus dieser kurzen Regierungs- und auch Lebenszeit sind nur wenige Überlieferungsbruchstücke bekannt. Fügt man diese Einzelstücke oder auch – um den Vortragstitel aufzunehmen – Facetten zusammen, dann kristallisiert sich jedoch in Ansätzen die Biographie eines mittelalterlichen Herrschers heraus. Schlaglichtartig werden – bisweilen auch überraschende – Aspekte der politischen und sozialen Lebenswirklichkeit des jungen Württembergers sichtbar.

Es zeichnet sich schemenhaft das Leben eines jungen Hochadligen ab, der durch seine Eheverbindung mit der für ihn fremden westeuropäisch-französischen Kultur konfrontiert wurde und in Kontakt mit dem prächtigsten Adelshof Europas, nämlich dem burgundischen, kam. Als regierender Graf führte Eberhard die ausgleichende Bündnispolitik seines Großvaters weiter, welche den Südwesten des Reiches politisch stabilisiert und auch friedlicher gemacht hatte. Württemberg blieb damit – weit über seine Bedeutung als regionale Vormacht hinaus – ein zentraler Akteur der Reichspolitik.

Dr. Christoph Florian, Leiter Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen

Dr. phil. Christoph Florian, geb. 1965 in Remseck, Ortsteil Aldingen, studierte Mittelalterliche Geschichte und Politikwissenschaft in Tübingen.

Nach mehrjähriger Tätigkeit bei dem Landesarchiv Baden-Württemberg und der Absolvierung eines Fernweiterbildungskurses zum Diplomarchivar an der Fachhochschule Potsdam war er von 2009 bis 2019 Stadtarchivar von Böblingen.

Seit dem 1. Januar 2020 leitet er das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen, welchem das Stadtmuseum Hornmoldhaus angegliedert ist.

 Do • 30.1.2020 • 19:30 Uhr • Enzpavillon

Sigmaringen – Eine andere deutsch-französische Geschichte

In seinem Buch „Sigmaringen. Eine andere deutsch-französische Geschichte” rekonstruiert Clemens Klünemann, Honorarprofessor am Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, die geistige Kollaboration zwischen Nazi-Deutschland und 'Vichy-Franzosen', die vor knapp 75 Jahren in Sigmaringen ein Ende fand – vor allem aber zeigt er, inwiefern und warum die Dämonen der damaligen Zeit noch keinesfalls gebannt sind. Ihr Symptom ist die Renaissance vereinfachender Stereotypen in Zeiten der Krise.

An die Stelle der bis zum Ende des II. Weltkriegs behaupteten 'Erbfeindschaft' zwischen Deutschland und Frankreich trat spätestens mit Abschluss des Elysée-Vertrags 1963 das Prinzip einer deutsch-französischen Freundschaft. Dass auch befreundete Nationen immer wieder unterschiedliche Positionen zu Fragen des politischen Tagesgeschehens einnehmen, ist selbstverständlich – bedenklich ist jedoch, dass in Krisenzeiten entlang der Spannungslinien zwischen beiden Ländern in Zeiten der Krise überwunden geglaubte Selbst- und Fremdbilder wieder auftauchen: Z.B. dass Deutschland dynamisch sei, gerade in seiner Wirtschaftskraft, wohingegen sich das statische Frankreich als Klotz am Bein des ökonomischen Fortschritts in Europa erweise – so wurde und wird Deutschland idealisiert und das Nachbarland herabgesetzt. Daneben gab es eine Propaganda, mit der Franzosen wie Deutsche bereits früher gegen die Republik hetzten, z.B. dass Frankreich von korrumpierten Eliten regiert werde und die Republik eine überkommene Regierungsform sei, die der wahren „France éternelle” fremd sei.

Solche und ähnliche Klischeevorstellungen wurden bereits von Franzosen und Deutschen gepflegt, die während der 1930er- und 1940er-Jahre die deutsch-französische Kollaboration betrieben – interessant ist, dass diese nahezu ausnahmslos zunächst der politischen Linken angehört hatten. Ab Mitte der 1930er Jahre überboten sie sich in ihrem Antirepublikanismus, Antisemitismus – und Pazifismus; am Ende des Krieges fanden sie sich in Sigmaringen wieder, wohin die Vichy-Regierung gebracht worden war, und warteten darauf, doch noch ihren Traum von einem Europa unter deutsch-französischer Führung verwirklichen zu können.

Prof. Dr. Clemens Klünemann

Prof. Dr. Clemens Klünemann: Studium der Romanistik, Geschichte, Germanistik, Gräzistik und Theologie in Münster, Louvain-la Neuve und Toulouse; Promotion in Littérature comparée an der Université Toulouse II; I. und II. Staatsexamen in Münster; DAAD-Lektorat an der Université de Saint-Étienne (1993-1998), Honorarprofessor am Institut für Kulturmanagement der Päd. Hochschule Ludwigsburg mit dem Schwerpunkt Kulturgeschichte; Übersetzungen vor allem mit anthropologischer Thematik aus dem Französischen, zuletzt Alexandre Grandazzi, Urbs (erschien im Dezember 2019 in der 'Wissenschaftlichen Buchgesellschaft).


Legende

GV-Runde, Exkursionen, Kunstreisen.